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10 Jahre Hartz: Treffen des AK Arbeit & Soziales in Berlin

Januar 16, 2013

von Marliese Weißmann

Der AK Arbeit und Soziales traf sich im November zum zweiten Mal in diesem Jahr. Im Mittelpunkt dieses Treffens stand eine Auseinandersetzung mit den Hartz- Arbeitsmarktreformen: „10 Jahre Hartz – Bestandsaufnahme und Bilanz“.

Mit 25 Teilnehmer/innen hatten wir eine sehr gute Resonanz auf unser Programm. Bei diesem legten wir Wert darauf, uns den Hartz-Reformen aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Eine oft von den Mitgliedern gewünschte Exkursion am zweiten Tag sollte das Treffen außerdem abrunden.

Am Montag früh starteten wir unser Treffen in einem Raum in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Nach der Begrüßung und kurzen Vorstellungsrunde gingen wir rasch in den ersten thematischen Block über. Christian Testorf stellte uns zunächst die Eckpunkte der Hartz-Reformen vor und stimmte uns inhaltlich ein. Danach freuten wir uns unseren ehemaligen AK-Sprecher Dirk Kratz begrüßen zu dürfen, der einen Vortrag über wesentliche Ergebnisse seiner Doktorarbeit hielt. Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem Vermittlungsprozess im Jobcenter und seinen Auswirkungen auf die Biographien von Langzeitarbeitslosen. In seiner empiriegestützten Analyse zeigte er u.a., dass die Hilfe zur Entfremdung der Personen von ihrer Biographie führen kann. Danach folgte ein weiterer Beitrag, der sich ebenso mit den Auswirkungen der Hartz- Reformen am Beispiel der Bedarfsgemeinschaft näherte. Marliese Weißmann verdeutlichte anhand der Analyse von Interviewausschnitten, dass nicht nur Hilfeempfänger, sondern die Angehörigen der Bedarfsgemeinschaft im starken Maße durch die Verwaltungspraxis des Jobcenters betroffen sind. So treffen zum Beispiel Sanktionen auch die Familienangehörigen wie die Kinder. Durch die stärker eingeforderte Solidarität der Familienangehörigen können die Aufnahme und Stabilisierung von Paarbeziehungen erschwert werden. Wichtig ist außerdem, dass den Ausweitungen der Verpflichtungen füreinander einzustehen (zum Beispiel für Stiefkinder nach einem Jahr gemeinsamem Zusammenlebens) gegenübersteht, dass zivilrechtlich keine Unterhaltspflicht besteht. Das heißt: die ALG-II-EmpfängerInnen tragen alleine das Risiko, nicht versorgt zu werden.

Am Nachmittag gab uns Prof. Werner Jann als Mitglied der Hartz-Kommission in einem sehr lebhaften Vortrag einen sehr guten Einblick in die Entstehung und die Arbeit der Hartz-Kommission. Es wurden sowohl die politischen Hintergründe als auch die sachlichen wie zeitlichen Zugzwänge durch die Hartz-Kommission (das Gerüst) für grundlegende Reformen in die Wege zu leiten, deutlich. Für Prof. Jann stellten die Hartz-Reformen eine grundlegende Abkehr vom bismarckschen Sozialstaatsmodell dar, das heißt eine nun stärkere Betonung des Bedarfsprinzips und eine geringere Orientierung am Statuserhalt der Personen. Die Reformen sah er als einen notwendigen Schritt an, jedoch sei nicht alles gelungen in der Umsetzung. So sagte er zum Beispiel, dass sie in der Kommission nicht einen derart starken Anstieg des Niedriglohnsektors erwartet hätten.

Die Arbeitsmarktexpertin Dr. Alexandra Wagner entwickelte anschließend eine eher kritische Sicht auf die Reformen. Sie stellte zunächst heraus, dass Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik (Strukturreformen) zusammen gehören. Die Hartz-Reformen setzten jedoch weniger auf der makroökonomischen Ebene an, sondern zielten vielmehr auf das Individuum und seine Arbeitsmarktintegration bzw. Beschäftigungsfähigkeit. Damit sind, so ihre Position, die strukturellen Ursachen von Arbeitslosigkeit in den Hintergrund gerückt. Anhand von Arbeitsmarktzahlen zeigte sie zum Beispiel den Anstieg von prekärer Selbständigkeit und dem Niedriglohnsektor auf. Ihr Vortrag und die Diskussion mit ihr waren ein guter Gegenpart zu dem vorherigen Redner. Sie gab uns darüber hinaus interessante Literaturhinweise zur Evaluation der aktiven Arbeitsmarktpolitik.

Nach einer Spazierpause zum Bundestag schlossen wir den Tag mit einer Diskussion mit Katja Mast. Sie führte vor allem ihre Ansichten und Pläne zum „Passiv-Aktiv-Konzept“ vor, dass davon ausgeht, statt Arbeitslosigkeit Arbeit zu fördern. Dieses Konzept knüpft an Konzeptionen des sozialen Arbeitsmarkts an. Der Tag endete dann mit einem touristischen Part des Treffens– der Besichtigung der Bundestagskuppel.

Am zweiten Tag besuchten wir das Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg. Der Leiter, Herr Felisiak, stellte uns u.a. aktuelle Arbeitslosenzahlen von Berlin und dem Bezirk Friedrichshain- Kreuzberg vor. Er betonte, dass in Berlin viele Selbständige Hilfe aus der Grundsicherung beziehen und sich an der Grenze der Rentabilität bewegten. Durch die Gespräche mit der Arbeitsverwaltung wurden Dilemma-Situationen für die Vermittler/innen deutlich, was die biographische Selbstbestimmung ihrer Klienten betrifft. Ab welchem Zeitpunkt sollte zum Beispiel eine arbeitslose Kunsthistorikerin biographische Berufspläne aufgeben und sich in andere berufliche Richtungen orientieren? Das politische Ziel und die Arbeitsaufgabe der Vermittler/innen liegen in der Arbeitsmarktintegration; prinzipiell ist jede Arbeit nach dem Gesetz zumutbar, außer sie ist sittenwidrig oder der Klient kann sie aus gesundheitlichen Gründen oder elterlichen Pflichten nicht antreten.

Interessant war des Weiteren die beispielhafte Demonstration der Arbeitsvermittlerin, wie ein neuer Kunde als Fall des Jobcenters bearbeitet wird. Zentrales Moment der Vermittlung ist im ersten Gespräch die Standortbestimmung des Kunden: Wie motiviert er, wo will er hin? Welche Eigenschaften zeichnen ihn aus? Außerdem wird in der genutzten Kundenverwaltungssoftware jedem Kunden durch den Arbeitsvermittler ein Profil zugeteilt. Sie reichen von integrationsnahen Profilen (Aktivierungsprofil, Marktprofil, Förderprofil) zu komplexen Profillagen (Entwicklungs-, Stabilisierungs- oder Unterstützungsprofil). Des Weiteren unterscheidet man eine sonstige Profillage (Zuordnung nicht erforderlich oder integriert, aber hilfebedürftig).

Vorm Mittagessen kam es abschließend zu einer Evaluation des Treffens. Wir danken allen TeilnehmerInnen für das tolle Treffen!

Komplizierte Kopiervorlage

September 29, 2012

Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland ist deutlich geringer als in anderen Ländern Europas. Der Grund: Das deutsche Berufsbildungssystem. Die Bundesregierung will nun dabei helfen, dieses System in andere Länder zu exportieren. Doch das wird nicht so einfach, kommentiert Christine Ante.

Wer einen Blick auf die neuesten Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa wirft, dem wird die ganze Dramatik einer „verlorenen Generation“ bewusst, die auf dem Syntagma-Platz in Athen oder an der Puerta del Sol in Madrid demonstriert: In Griechenland und Spanien ist mehr als jeder zweite unter 25 ohne Job. In der Slowakei, in Portugal und in Italien sind es über 30 Prozent. Und selbst in Schweden, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg ist noch mehr als jeder Fünfte unter 25 arbeitslos.

Deutschland hat es geschafft, die Jugendarbeitslosigkeit trotz Krise unter zehn Prozent zu halten, und die Berufsausbildung wird als ein wesentlicher Grund hierfür ausgemacht. Ebenso ist es in Norwegen, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden.  Zwar ist in all diesen Ländern der Arbeitsmarkt generell weniger von der Krise betroffen, ein derartiger Unterschied in der Jugendarbeitslosigkeit ist so aber nicht zu erklären.

Vor einigen Wochen gab es deshalb eine Deutsch-Spanische Ausbildungskonferenz in Stuttgart. Bildungsministerin Annette Schavan hat dort ihre Unterstützung zugesagt, die Berufsbildung in Spanien auszubauen – nach deutschem Vorbild. „Wir sind in Deutschland davon überzeugt, dass duale berufliche Bildung die beste Vorbeugung gegen Jugendarbeitslosigkeit ist“, sagte Schavan. Doch ein Ausbildungssystem zu übertragen, das funktioniert nicht so einfach.

Zunächst einmal macht es die Berufsbildung in den Ländern mit geringer Jugendarbeitslosigkeit aus, dass die Auszubildenden sowohl im Unternehmen als auch in der Schule lernen. So können sie praktisches Wissen theoretisch unterfüttern. Bei der dualen Ausbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben Auszubildende dabei einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen  und gehen ein bis zwei Tage in der Woche in eine Berufsschule. In Norwegen und in den Niederlanden spielen die Schulen eine wesentliche größere Rolle. Aber auch in diesen beiden Ländern gibt es viele Praxisphasen, sodass die Auszubildenden letztlich ebenfalls an beiden Orten lernen.

Gerade weil die Auszubildenden auch in Unternehmen lernen sollen, kann der Staat nicht einfach ein Gesetz erlassen, und dann funktioniert die duale Ausbildung. In den Ländern mit geringer Jugendarbeitslosigkeit sind sowohl der Staat als auch Unternehmen stark in der Berufsbildung engagiert. Unternehmen sind außerdem maßgeblich bei der Durchführung, der Finanzierung und der Verwaltung der Ausbildung eingebunden. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften spielen eine große Rolle in der Verwaltung und Reform der Systeme. Unternehmen definieren gemeinsam, mit Hilfe der Arbeitgeberverbände, ihre Anforderungen an bestimmte Berufe und an das System als Ganzes. Es gibt Standards für die Ausbildung und für die Prüfungen. In manchen der Länder sind die Sozialpartner hier auch eingebunden („Korporatismus“).

Was es noch schwerer macht, die Berufsausbildung zu kopieren: Die Berufsausbildung agiert nicht als abgeschottetes System, sondern spielt mit anderen Bereichen der Wirtschaft zusammen. Das zumindest ist eine zentrale Idee der Vergleichenden Politischen Ökonomie. So spielt es eine Rolle, ob die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände feste Tarifsysteme aushandeln. Beispielsweise sinkt die Motivation eines Unternehmens, sich an der Ausbildung zu beteiligen, wenn selbst ausgebildete Fachkräfte ständig abgeworben werden. Feste Tarifsysteme aber erschweren das Abwerben. Zudem spielt auch das Bankensystem eine Rolle. Bei der Berufsausbildung handelt es sich für Betriebe nämlich um eine langfristige Investition. Wenn sie ständig auf Börsenkurse und Aktionärswerte achten müssen, ist eine langfristige Planung schwieriger. Wenn die Bank im Aufsichtsrat sitzt und die Unternehmenslage gut einschätzen kann, sind langfristige Investitionen hingegen einfacher. Nicht zuletzt spielt auch der Wohlfahrtsstaat eine Rolle. Auch für den Auszubildenden ist eine Ausbildung eine Investition, da der Lohn während der Ausbildung geringer ist. Wenn bei Arbeitslosigkeit zunächst der Staat einspringt und Teile des Gehalts weiterbezahlt, kann sich die Fachkraft besser nach einem neuen Job auf dem gleichen Qualifikationsniveau umschauen. Jeder dieser Bereiche (die Wissenschaft spricht von „Institutionen“) ist daher in gewissem Maße Voraussetzung für Regelungen in den anderen Bereichen.

Genau das macht es schwer, Ausbildungssysteme zu kopieren. So hat David Soskice, ein bekannter Wissenschaftler und ehemaliger Direktor des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Großbritannien schon vor etwa 20 Jahren davon abgeraten, weiterhin mit großem Aufwand die duale Ausbildung zu fördern. Das duale Berufsbildungssystem passe einfach nicht zu den Institutionen drum herum. So sind das Zusammenspiel von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, das Bankensystem und die Lohnsetzung anders organisiert als in Deutschland und den anderen Ländern mit geringer Jugendarbeitslosigkeit. Und das macht es schwer, die duale Ausbildung in Großbritannien zu verankern. Das Argument bestätigt sich in der Praxis: Bis heute pumpt die britische Regierung viel Geld in den Aufbau einer dualen Ausbildung – mit geringem Erfolg.

Wie genau sich die deutsche Bildungsministerin und ihr spanischer Amtskollege den Aufbau einer dualen Berufsbildung vorstellen, ist bislang öffentlich noch nicht bekannt. Die Forschung zeigt auf jeden Fall: Das wird schwierig. Der kritische Punkt ist, die Unternehmen von einem neuen System zu überzeugen. Daran hat es beispielsweise auch in den USA gehakt. Dort ist vor rund 20 Jahren der Versuch gescheitert, in der Automobilindustrie im Norden des Landes ein duales Ausbildungssystem einzuführen. Die Unternehmer konnten nicht verstehen, warum sie in die Ausbildung von Fachkräften investieren sollten, wenn diese anschließend einfach zu ihren Konkurrenten wechseln können.

Vielleicht wäre es ein vielversprechender Weg, die schulische Berufsausbildung zu stärken wie in den Niederlanden und in Norwegen.  Diese müsste viele Praxisphasen einschließen – aber es dürfte leichter sein, Unternehmen für Praktika zu gewinnen als für den Aufbau eines eigenen Ausbildungssystems. Einfach ist aber auch das nicht: Im Ergebnis sind diese Bildungsgänge dann häufig (nicht immer!) zu praxisfern. Deshalb ist es wichtig, dass sich Unternehmen, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften auch in einem solchen Modell daran beteiligen, die Ausbildungsgänge praxisnah zu gestalten. Aber eine schulische Berufsausbildung wiederum kostet den Staat Ressourcen, die gerade in Krisenzeiten knapp sind.

Zum Weiterlesen für alle, die sich näher mit dem Thema auseinander setzen möchten:

Marius Busemeyer und Christine Trampusch (2012) (Hrsg.): The Comparative Political Economy of Collective Skill Formation. Oxford: Oxford University Press.

David Soskice (1993): Social skills from mass higher education: rethinking the company-based initial training paradigm. Oxford Review of Economic Policy 9(3): 101-113.

Treffen des AK Arbeit und Soziales in Bonn vom 20.-21. April 2012

Mai 11, 2012

Bei dem ersten Treffen des AK Arbeit & Soziales in 2012 haben wir uns mit zwei inhaltlichen Schwerpunkten befasst: Dem Fortschrittsforum und der Zukunft des deutschen Rentensystems.

Zu Beginn des AK-Treffens in der FES in Bonn kam unsere AK-Patin Dr. Ursula Bitzegeio zu uns. Nach gegenseitigem Kennenlernen und einer Übersicht über die vergangenen und zukünftigen Aktivitäten des AKs stand gleich das erste große inhaltliche Thema auf dem Programm: Das Fortschrittsforum. Ruth Brandherm aus der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung berichtete über Ziele und inhaltliche Leitlinien des Fortschrittsforums. Es wurde gemeinsam diskutiert, welche Potentiale das Fortschrittsforums bietet und welche Grenzen das Format hat. Ruth Brandherm stellte auch die Schwerpunkte des Gesprächskreises „Arbeit und Qualifizierung“ der FES vor und ermunterte uns, sich bei Interesse an Mitarbeit – beispielsweise durch das Verfassen von Protokollen bei Konferenzen – bei ihr zu melden. In einem nächsten Block stellte Christine Ante das Fortschrittsforums aus Sicht der Stipendiaten vor. Sie berichtete von konkreten Politikansätzen und Maßnahmen, die wir in der Gruppe diskutierten. Als Beispiele seien hierbei Bildungskompass, Übergangsmanagement und ein „corporate age index“ genannt. Maximilian Locher, ebenfalls FES-Stipendiat und Mitglied im Fortschrittsforum, konnte leider nicht am AK-Treffen teilnehmen und steuerte stattdessen einen sehenswerten Vortrag per Video bei.

Mit dem Thema Rentenpolitik befassten wir uns am zweiten Tag unseres Treffens. In zwei Gruppen beschäftigten wir uns anhand von Texten mit den Argumenten für und gegen die Rente mit 67. Nachdem die Gruppen sich die wichtigsten Argumente wechselseitig kurz vorstellten, haben wir die Thematik mit Severin Schmidt von der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der FES weiter vertieft und diskutiert. Hierbei haben wir uns auch mit den aktuellen Vorschlägen der SPD zur abschlagsfreien Erwerbsminderungsrente und zur Aussetzung der Rente mit 67 abhängig von der Erwerbstätigkeit der 60-64-Jährigen beschäftigt. Ebenso haben wir über die von der CDU vorgeschlagene Zuschussrente diskutiert und uns kritisch mit den Zugangsvoraussetzungen hierfür auseinandergesetzt. Es kristallisierte sich immer wieder die Problematik heraus, dass erhebliche gruppenspezifische Unterschiede (Hoch- und Niedrigqualifizierteren, Männern und Frauen) bestehen. Die Anhebung des Rentenalters kann bei bestimmten Gruppen das Altersarmutsrisiko erhöhen. Andererseits wurde auch diskutiert, ob Alternativen wie Produktivitätssteigerungen als Alternativen ausreichend sind. Severin Schmidt stellte am Ende die laufenden Projekte seines Arbeitskreises vor und verwies auf die Möglichkeit, als Mitglied des AKs in den Projektgruppen mitzuarbeiten.

Mit einer Feedbackrunde und einem (optionalen) gemeinsamen Mittagessen schloss das Treffen ab. Das nächste Treffen des AKs wird sich voraussichtlich mit dem Thema „working poor“ beschäftigen.

Zwischen Existenzsicherung und „Recht auf Faulheit“ Eine Bilanz des Würzburger FES-Seminars „Bedingungsloses Grundeinkommen – Wer soll da morgens noch aufstehen?“ von Stefan Hartmann

Januar 29, 2012
Ergebnis der Gruppenarbeit

Es ist eine spannende Vorstellung: Nie mehr Beträge im unteren dreistelligen Bereich auf der Habenseite des Kontoauszugs sehen müssen und sich fragen, wie man mit so wenig Geld den kommenden Monat überstehen soll; nie mehr zu Bett gehen mit der quälenden Ungewissheit, ob man in vier Wochen noch in denselben vier Wänden schlafen wird,weil man doch eigentlich schon jetzt die Miete nicht mehr zahlen kann; nie mehr mürrisch zur Arbeit gehen mit dem Gedanken: Eigentlich habe ich diesen Sch…job satt, aber von irgendwas muss man ja leben! Stattdessen: Monat für Monat Geld vom Staat, sagen wir: tausend Euro, ohne Bedingungen, ohne Rückfragen, ohne Wenn und Aber. Eine Vorstellung, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Und doch gibt es immer mehr Menschen, die ernsthaft und zielstrebig auf eine Welt hinarbeiten, in der eben diese Utopie Wirklichkeit wird. Götz Werner etwa, der dm-Milliardär, der seit Jahren sein Modell des bedingungslosen Grundeinkommens mit diversen Publikationen bewirbt. Oder Susanne Wiest, eine Tagesmutter aus Greifswald, die eine Online-Petition ins Leben rief, mit der sich fast 53.000 Deutsche für die Einführung eines Grundeinkommens stark machten.

Längst ist das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) kein Anliegen spinnerter Utopisten mehr, das man mit Helmuts Schmidts Bonmot, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, leichtfertig abkanzeln könnte. Vielmehr handelt es sich um ein ernstzunehmendes politisches Projekt, für das zahlreiche höchst unterschiedliche Konzeptionen von ebenso unterschiedlichen Personen und Gruppierungen erarbeitet wurden. Weiterlesen …

Treffen des AK Arbeit & Soziales im Oktober 2011

November 6, 2011

Das Treffen des stipendiatischen Arbeitskreises Arbeit & Soziales der Friedrich-Ebert-Stiftung fand in diesem Jahr an der Hertie School of Governance in Berlin statt, die uns freundlicherweise die Infrastruktur für unser Treffen bereitstellte. Insgesamt nahmen 17 StipendiatInnen aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Nach einer Vorstellungsrunde und einem kurzen Überblick über den Verlauf des Treffens war der erste inhaltliche Programmpunkt ein Rückblick zu der Arbeit des Arbeitskreises seit dem letzten Treffen im Dezember 2010. Intensiv besprochen wurden alle Initiativen rund um eine Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung, angefangen bei gemeinsamen Seminaren bis hin zum Springer Dialog 2011. Es folgten Berichte über die Seminare „… und dann bist du draußen“ (AK-Seminar 2011) und „Bedingungsloses Grundeinkommen“. Zudem wurden die TeilnehmerInnen über die zukünftigen Entwicklungen hinsichtlich der AK-Struktur und die Arbeit der Projektgruppe zu diesem Thema in breiter Form informiert. Innerhalb einer Blitzlicht-Runde wurden neue Ideen für die AK-Arbeit im kommenden Jahr gesammelt.

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Einladung zu der Veranstaltung „Auf dem Weg zum gespaltenen Arbeitsmarkt?“

Oktober 3, 2011

Auf dem Weg zum gespaltenen Arbeitsmarkt?

19. Oktober 2011, 20 Uhr

Hertie School of Governance, Friedrichstraße 180, 10117 Berlin

Nicht erst mit der gerade verabschiedeten Reform der Arbeitsmarktinstrumente ist die Debatte um die richtige Richtung in der Arbeitsmarktpolitik entbrannt. Während die Bundesregierung von einer Effizienzsteigerung in der Arbeitsmarktintegration spricht, sehen Wohlfahrtsverbände wie auch Opposition zahlreiche finanzielle Einschnitte, die wirkungsvolle Instrumente und soziale Infrastruktur vernichten werden. Kann eine gute wirtschaftliche Konjunktur hier aushelfen? Wie kann „aktive Arbeitsmarktpolitik“ dazu beitragen, den „harten Kern“ der Arbeitslosigkeit aufzubrechen? Und wie können den Betroffenen langfristige Teilhabeperspektiven aufgezeigt werden?

Diese und viele andere Fragen möchten wir, der stipendiatische Arbeitskreis Arbeit & Soziales der Friedrich-Ebert-Stiftung, gerne mit unseren Gästen erörtern:

Katja Mast – MdB und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales
Dr. Joachim Rock – Leiter Soziale Sicherung und Europa des Paritätischen Gesamtverbandes
Prof’in Anke Hassel – Professor of Public Policy an der Hertie School of Governance

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, an der Veranstaltung teilzunehmen und mitzudiskutieren!

Stipendiatischer Dialog in Springe (FES/HBS)

Oktober 3, 2011

ein Bericht von Christian Testdorf, Mitglied im AK Arbeit & Soziales

Am 23. und 24. September fand zum zweiten Mal der stipendiatische Dialog zwischen der Hans-Böckler-Stiftung und der FES statt, an dem auch in diesem Jahr wieder Mitglieder des AK Arbeit teilnahmen. Nachdem im letzten Jahr das historische Verhältnis von SPD und Gewerkschaften eingehend betrachtet wurde, wandten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Jahr höchst aktuellen Fragen zu. „Herausforderungen einer modernen Arbeitsmarktpolitik in der Bundesrepublik“ lautete das hochaktuelle Thema, beschloss der Bundestag doch genau im Verlauf der Tagung die Kürzung bei den aktiven Arbeitsmarktinstrumenten um 11 Milliarden Euro in den kommenden Jahren.

So standen auch die aktuellen Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik im Zentrum der zweitägigen Tagung. Den Auftakt bildete das Referat von Prof. Dr. Ulrich WALWEI, stellv. Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Er belegte anhand zahlreicher Daten und statistischer Erhebungen den Trend hin zu atypischen Beschäftigungsformen und zu befristeter Beschäftigung. Fast 50 Prozent aller Neueinstellungen in Deutschland sind mittlerweile befristet, ein Entwicklung, die auch vor Akademikern nicht halt macht. Dr. Walwei konnte zudem belegen, dass die Übernahmequote der Beschäftigten gerade in den Bereichen besonders gering ist, in denen Befristungen häufig eingesetzt werden, etwa im Öffentlichen Dienst oder in der Dienstleistungsbranche. Arbeiter und Angestellte im produzierenden Gewerbe, das generell zahlungskräftiger und produktiver ist, sind von dieser Entwicklung weniger betroffen. Die Arbeitslosigkeit verfestige sich zusehends, ein harter Kern der Arbeitslosen habe schon zwei Jahre und länger keine regelmäßige Arbeit gefunden, obwohl die deutliche Mehrzahl der ALG II-Bezieher arbeiten möchte.

Im zweiten Vortrag hob Michael DAUDERSTÄDT, Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der FES hervor, dass es in Deutschland an Produktivitätswachstum fehle. Er zeigte Wege auf, wie das anhaltende negative Wachstum der Produktivität in den Dienstleistungen gestoppt werden könnte und bezog sich dabei auf Expertisen, die in der Abteilung WISO angefertigt wurden und dort zu beziehen sind. Wilhelm ADAMY vom DGB-Bundesvorstand ging im Anschluss auf die Aufgaben der Gewerkschaften in der Arbeitsmarktpolitik ein. Zentral sei, unter vielen Aspekten, ein Mindestlohn, der allerdings von der Politik eingeführt werden müsste. Mit einem Dialog am Abend, zu dem mit Wolfgang JÜTTNER auch ein Vertreter der SPD hinzutrat, endete der erste Tag.

Am zweiten Tag fand die Arbeit in vier getrennten Foren statt, zu denen sich jede/r Teilnehmer/-in nach eigenen Vorlieben anmelden konnte. Die Foren setzten sich mit aktuellen Fragen der Arbeitsmarktpolitik auseinander und hinterfragten die Reformen der Bundesregierung kritisch. Das Forum 1 beschäftigte sich mit der Reform der arbeitsmarktpolitischen Instrumente 2012, das zweite Forum mit dem vermeintlichen deutschen „Beschäftigungswunder“ in der Krise. Forum 3 untersuchte unter dem Titel „Gehen uns die Arbeitskräfte aus? Der demographische Wandel auf dem deutschen Arbeitsmarkt“ gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen in Deutschland und das vierte Forum thematisierte Ursachen, Risiken und auch Chancen von atypischer, vom „Normalarbeitsverhältnis“ abweichender Beschäftigung. Eine anschließende Diskussion im Fishbowl-Format fasste die Arbeit der Foren auf gelungene und sehr lebendige Art zusammen.

Insgesamt war der zweite stipendiatische Dialog eine sehr informative und überzeugende Veranstaltung,  die wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit großem Gewinn verlassen haben.