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Unternehmen Vereinbarkeit

April 29, 2009

auf der Suche nach den „neuen“ Vätern….

Am 22.April lud die FES Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Gesellschaft sowie Arbeitgebervertreter ein, um über das Thema „Unternehmen Vereinbarkeit. Reif für die neuen Väter?“ zu diskutieren. Und so bunt die Mischung der Diskussionsteilnehmer, so perspektivenreich waren auch die Beiträge.

Doch zunächst einmal die Fakten.

Die Ergebnisse einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigen einen drastischen Rückgang der Hausfrauenehe sowie einen wachsenden Einkommensbeitrag von Frauen bei zunehmender beruflicher Tätigkeit von Müttern. Gleichzeitig hielten jedoch „nur“ 34% aller Männer ein egalitäres Teilzeit-Teilzeit-Modell als ideal, während 48% sich als Haupternährer der Familie sehen und dies auch befürworten. Bei den 18-30 Jährigen unterstützten immerhin noch 22% im Westen und 10% im Osten die traditionelle Arbeitsteilung. Die Teilzeitquote betrage bei Männern höchstens 10%, wobei dies in den wenigsten Fällen auf familiäre Gründe zurückzuführen ist. Immerhin: Während sich im Jahr 2001 lediglich 1,5% der Männer das Wagnis Elternzeit eingingen, sind es im Jahr 2008, also nach der Einführung des neuen Elterngeldes, 18%. Einschränkend sollte jedoch erwähnt werden, dass die Mehrheit nur die obligatorischen 2 Monate in Anspruch nahm.

Doch was ist zu tun, um die fürsorgliche Rolle der Männer zu stärken und das Potential der „neuen“ Väter auszuschöpfen? Die Meinungen gehen weit auseinander. Sehen die einen die fehlenden Frauen in Führungs- und Aufsichtspositionen als Haupthindernis für die Durchsetzung einer neuen (pro-väterlichen) Unternehmenskultur, erkennen die anderen auch in dem traditionellen Rollenverständnis der weiblichen Spezies eine Hürde. So hätte der Bundestag einen Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland auch und gerade wegen des Druckes der weiblichen Wählerschaft längst beschließen können. Stattdessen könne Deutschland als Entwicklungsland durchgehen, was die Infrastruktur der Kinderbetreuung angeht. Letzteres sei zumindest teilweise Ursache für die erheblichen Einkommensunterschiede. Doch was ist zu tun? Wären Mindestlöhne eine Lösung, um die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau zumindest teilweise aufzuheben und damit monetäre Entbehrungen bei Erziehungsentscheidungen auszugleichen?

Immerhin – und das war für mich einigermaßen überraschend – sind es auch und nicht zuletzt die Geringverdiender, die das neue Elterngeld zunehmend in Anspruch nehmen (zumindest bei der Fraport AG). Mindestens genauso wichtig wie die Verdienstaussichten scheint auch die Zeitpolitik zu sein. Damit kann man darüber streiten, ob Lebensphasen spezifische Arbeitszeiten politisch verordnet werden sollen. Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass die Entscheidung für mehr Familienfreundlichkeit „von oben“ kommen muss und dass gerade bei großen Unternehmen die Entscheidung nicht von Einzelfällen abhängig vom mittleren Management getroffen werden sollten. Zwei Unternehmen schälten sich in der Diskussion und im anschließenden Woldcafé als Vorreiter heraus: Die Berliner Universitätsklinik Charité setzte im Januar 2009 den ersten betrieblichen Väterbeautragten in Deutschland ein. Und die Daimler AG glänzt nicht nur mit „Sternchen-Krippen“ und Jobsharing-Modellen für Frauen (und Männer) in Führungspositionen, sondern hat 2007 die sozial-orientierte Performance in ihr Beurteilungssystem für Führungskräfte aufgenommen. Da soziale Performance auch in der FamilienARBEIT erworben werden kann und die Fähigkeiten von Führungskräften dank Zielvereinbarungen auch ins Vergütungsschema einfließen, bleibt zu hoffen, dass der ErziehungsURLAUB damit tatsächlich eine Aufwertung erfährt….

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