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Kräfteverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt

Mai 19, 2010
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In der SZ ist ein Gastbeitrag des „Wirtschaftsweisen“ Bofinger erschienen:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/137/511245/text/

Von Bofingers Annahmen soll jede/r sich eine eigene Meinung bilden, mir geht es hier nicht um eine grundsätzliche Diskussion dieser Positionen. Sein Beitrag dreht sich im Kern um die aktuelle Eurokrise, er berührt jedoch ein sehr zentrales Thema aus dem Bereich „Arbeit und Soziales“, das ich hier aufgreifen und in die Diskussion des AKs einführen möchte: die Umverteilung und damit die Kräfteverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt.

Bofinger beschreibt, dass die Lohnkosten (damit die Lohnentwicklung) in Deutschland seit Jahren gedrückt werden. Die ArbeitnehmerInnen werden so in großem Maße um die Erfolge ihrer Arbeit gebracht. Ideologie im Hintergrund ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Statt über Löhne verteilt zu werden gelangt ein großer Teil der Gewinne nie in die Hände der ArbeitnehmerInnen, sondern wird in diversen Investitionsformen angelegt.

Diese Entwicklung, die sich seit den 1990er Jahren beobachten lässt, ist letztlich das Ergebnis veränderte Kräfteverhältnisse zwischen Arbeit und Kapital. Ende der 1980er waren die Gewerkschaften noch gegen Mindestlöhne, weil fast überall starke Tarifverträge griffen. Heute wird für Mindestlöhne gekämpft, weil die Tarifbindung immer weiter abnimmt (auch aufgrund der Ausbreitung der Zeitarbeit). Es ist doch erstaunlich, dass es innerhalb weniger Jahre gelingen kann die Kräfteverhältnisse so grundlegend zu verändern. Statt einer Ausweitung von Teilhabe und Mitbestimmung und einer damit verbundenen zumindest leicht erweiterten Demokratisierung der hoch vermachteten Wirtschaft (einst große gewerkschaftliche Projekte) hat genau die gegenteilige Entwicklung eingesetzt. Natürlich ist das jetzt keine überraschende Erkenntnis, das neoliberale Projekt hat den Gewerkschaften in vielen Ländern das Rückgrat gebrochen (wenn sie denn noch eins hatten). Trotzdem lohnt es sich die Thematiken Umverteilung, Mitbestimmung und Demokratisierung des Arbeitsmarktes vor dem Hintergrund aktueller Verhältnisse zu diskutieren.

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