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Stipendiatischer Dialog in Springe (FES/HBS)

Oktober 3, 2011

ein Bericht von Christian Testdorf, Mitglied im AK Arbeit & Soziales

Am 23. und 24. September fand zum zweiten Mal der stipendiatische Dialog zwischen der Hans-Böckler-Stiftung und der FES statt, an dem auch in diesem Jahr wieder Mitglieder des AK Arbeit teilnahmen. Nachdem im letzten Jahr das historische Verhältnis von SPD und Gewerkschaften eingehend betrachtet wurde, wandten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Jahr höchst aktuellen Fragen zu. „Herausforderungen einer modernen Arbeitsmarktpolitik in der Bundesrepublik“ lautete das hochaktuelle Thema, beschloss der Bundestag doch genau im Verlauf der Tagung die Kürzung bei den aktiven Arbeitsmarktinstrumenten um 11 Milliarden Euro in den kommenden Jahren.

So standen auch die aktuellen Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik im Zentrum der zweitägigen Tagung. Den Auftakt bildete das Referat von Prof. Dr. Ulrich WALWEI, stellv. Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Er belegte anhand zahlreicher Daten und statistischer Erhebungen den Trend hin zu atypischen Beschäftigungsformen und zu befristeter Beschäftigung. Fast 50 Prozent aller Neueinstellungen in Deutschland sind mittlerweile befristet, ein Entwicklung, die auch vor Akademikern nicht halt macht. Dr. Walwei konnte zudem belegen, dass die Übernahmequote der Beschäftigten gerade in den Bereichen besonders gering ist, in denen Befristungen häufig eingesetzt werden, etwa im Öffentlichen Dienst oder in der Dienstleistungsbranche. Arbeiter und Angestellte im produzierenden Gewerbe, das generell zahlungskräftiger und produktiver ist, sind von dieser Entwicklung weniger betroffen. Die Arbeitslosigkeit verfestige sich zusehends, ein harter Kern der Arbeitslosen habe schon zwei Jahre und länger keine regelmäßige Arbeit gefunden, obwohl die deutliche Mehrzahl der ALG II-Bezieher arbeiten möchte.

Im zweiten Vortrag hob Michael DAUDERSTÄDT, Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der FES hervor, dass es in Deutschland an Produktivitätswachstum fehle. Er zeigte Wege auf, wie das anhaltende negative Wachstum der Produktivität in den Dienstleistungen gestoppt werden könnte und bezog sich dabei auf Expertisen, die in der Abteilung WISO angefertigt wurden und dort zu beziehen sind. Wilhelm ADAMY vom DGB-Bundesvorstand ging im Anschluss auf die Aufgaben der Gewerkschaften in der Arbeitsmarktpolitik ein. Zentral sei, unter vielen Aspekten, ein Mindestlohn, der allerdings von der Politik eingeführt werden müsste. Mit einem Dialog am Abend, zu dem mit Wolfgang JÜTTNER auch ein Vertreter der SPD hinzutrat, endete der erste Tag.

Am zweiten Tag fand die Arbeit in vier getrennten Foren statt, zu denen sich jede/r Teilnehmer/-in nach eigenen Vorlieben anmelden konnte. Die Foren setzten sich mit aktuellen Fragen der Arbeitsmarktpolitik auseinander und hinterfragten die Reformen der Bundesregierung kritisch. Das Forum 1 beschäftigte sich mit der Reform der arbeitsmarktpolitischen Instrumente 2012, das zweite Forum mit dem vermeintlichen deutschen „Beschäftigungswunder“ in der Krise. Forum 3 untersuchte unter dem Titel „Gehen uns die Arbeitskräfte aus? Der demographische Wandel auf dem deutschen Arbeitsmarkt“ gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen in Deutschland und das vierte Forum thematisierte Ursachen, Risiken und auch Chancen von atypischer, vom „Normalarbeitsverhältnis“ abweichender Beschäftigung. Eine anschließende Diskussion im Fishbowl-Format fasste die Arbeit der Foren auf gelungene und sehr lebendige Art zusammen.

Insgesamt war der zweite stipendiatische Dialog eine sehr informative und überzeugende Veranstaltung,  die wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit großem Gewinn verlassen haben.

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